Neurodermitis

Veröffentlicht am: 28.07.2025Zuletzt aktualisiert am: 16.10.2026Geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Entzündliche Hautkrankheit mit vielfältigen Symptomen

Übersetzt bedeutet Neurodermitis in etwa „Nervenentzündung“. Heute ist bekannt, dass die Hauterkrankung nicht auf eine Entzündung der Nerven zurückzuführen ist. Eine Neurodermitis ist eine nicht ansteckende, chronische Hauterkrankung. Auslöser sind nicht selten Allergien, weshalb Neurodermitis auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt wird (Atopie = mit Allergien assoziierte Erkrankung). In Deutschland leiden rund 3,6 Millionen Menschen an Neurodermitis. Erfahren Sie mehr über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten bei atopischer Dermatitis.1 

Ursachen für Neurodermitis
Neurodermitis-Symptome bei Kindern und Erwachsenen
Neurodermitis behandeln
Tipps: Neurodermitis vorbeugen

Kurz und knapp

  • Ursachen: Genveränderung, gestörte Hautbarriere, Allergien
  • Symptome: Trockene Haut, entzündete Hautstellen, Rötung, Juckreiz, Verhornung der Haut
  • Diagnose: Körperliche Untersuchung, Allergietest, Bluttest, Hautbiopsie
  • Behandlung: Ernährungsumstellung, spezielle Hautpflegeprodukte, Medikamente, Lichttherapie, Klimatherapie, Immuntherapie
  • Prävention: Meidung von Allergie-Triggern, Aufhören zu rauchen, Pflegeprodukte für empfindliche Haut, Entspannungstechniken, Selbsthilfegruppen

Wie behandeln Sie Neurodermitis?

Ursachen für Neurodermitis

Die genaue Ursache für Neurodermitis noch nicht gänzlich geklärt. Experten gehen davon aus, dass mehrere Faktoren an der Entstehung des atopischen Ekzems beteiligt sind. Wie entsteht also Neurodermitis?

Neurodermitis ist vererbbar: Leiden beide Eltern an dem atopischen Ekzem, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind an Neurodermitis erkrankt bei bis zu 80 %.2 Grund dafür ist eine Genveränderung. Diese führt dazu, dass der Körper zu wenig des Eiweißes Filaggrin produziert, das wichtig für die Bildung der äußersten Hautschicht ist. Bei den Betroffenen ist die Hautbarriere gestört. Die Oberhaut kann ihre Schutzfunktion nicht richtig erfüllen, sodass die Haut mehr Feuchtigkeit verliert und dadurch schneller austrocknet. 

Weitere Auslöser für ein atopisches Ekzem

Es gibt weitere Faktoren, die die Haut bei Neurodermitis reizen und einen sogenannten Neurodermitis-Schub auslösen können: 

  • Schwitzen
  • Übermäßige Körperhygiene
  • Ungeeignete Pflege- und Kosmetikprodukte
  • Bestimmte Textilien (z. B. Wolle)
  • Reizende Stoffe und Substanzen wie Tabakrauch
  • Allergieauslöser (z. B. Nahrungsmittel, Tierhaare, Pollen)
  • Psychische Faktoren wie Stress, Aufregung oder Traumata
  • Hormonelle Schwankungen (z. B. Schwangerschaft, Wechseljahre)
  • Klimaveränderungen
  • Infekte (z. B. Mandelentzündung) 

Kinder und Erwachsene mit Neurodermitis reagieren sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Neurodermitis-Ursachen. Zudem gilt: Nicht jeder Mensch mit der Veranlagung zu atopischer Dermatitis erkrankt auch tatsächlich daran. 

Neurodermitis-Symptome bei Kindern und Erwachsenen

Viele Betroffene leiden sehr unter den Symptomen einer Neurodermitis. In schlimmen Fällen sind diese nicht nur körperlich, sondern auch seelisch belastend. Dazu kommt, dass sie je nach Jahreszeit unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Auch eine Medikamenteneinnahme kann die Symptome verschlimmern. Typische Symptome einer Neurodermitis sind: 

Symptome bei Kindern

Oftmals sind Kinder bereits im Säuglingsalter von Neurodermitis betroffen. Diese zeigt sich besonders im Gesicht und auf der Kopfhaut in Form von Milchschorf. Auch auf den Streckseiten von Armen und Beinen sind gerötete, juckende oder sogar nässende Hautveränderungen erkennbar. Dagegen bleibt der Windelbereich in der Regel von Neurodermitis-Symptomen verschont.3 Es kann passieren, dass Babys die betroffenen Hautstellen aufkratzen und sich dadurch das Infektionsrisiko erhöht. Um das zu verhindern, können Sie die Fingernägel kürzen und dem Säugling dünner Handschuhe während des Schlafens anziehen. 

Je älter die Kinder werden, desto mehr verändert sich die atopische Dermatitis zu trocknen Ekzemen. Diese sind vermehrt an Handgelenken, in den Ellenbeugen und Kniekehlen zu beobachten. Aufgrund von Hormonveränderungen verschwindet Neurodermitis in der Pubertät oder bildet sich in dieser Zeit zumindest stark zurück.  

Symptome bei Erwachsenen

Wenn Erwachsene weiterhin an Neurodermitis leiden, zeigt sich diese vor allem an folgenden Körperstellen: 

  • Kopfhaut
  • Gesicht (v. a. Stirn-, Augen- und Mundpartie)
  • Hals und Brust
  • Ellenbeugen
  • Handrücken
  • Leisten
  • Kniekehlen 

Wenn die Kopfhaut von Neurodermitis betroffen ist, zeigt sich das oft in Form geröteter, schuppender und entzündeter Stellen. In manchen Fällen kann das atopische Ekzem sogar zu Haarausfall führen. 

Neurodermitis behandeln

In vielen Fällen kann eine Neurodermitis gut behandelt werden. Die richtige Therapie bei Neurodermitis ist abhängig von den Symptomen und dem Schweregrad der atopischen Dermatitis. 

Medikamentöse Neurodermitis-Therapie

Immunsuppressiva sind eine gängige Methode, um Neurodermitis zu behandeln. Sie sorgen dafür, dass die Entzündung der Haut zurückgeht und der Juckreiz gelindert wird. Die Medizinprodukte können sowohl innerlich als auch äußerlich bei atopischen Ekzemen angewendet werden. Folgende Wirkstoffe kommen unter anderem bei der medikamentösen Neurodermitis-Therapie zum Einsatz. 

  • Kortison ist entzündungshemmend und juckreizlindernd
  • Calcineurin-Hemmer sind entzündungshemmend und schonender zur Haut als Kortison-Präparate
  • Ciclosporin A wird bei starker und chronischer Neurodermitis angewendet
  • Dupilumab/Tralokinumab (Biologika) dienen zur Beruhigung der Haut bei (mittel-)schwerer Neurodermitis
  • Abrocitinib, Baricitinib und Upadacitinib (JAK-Hemmer) haben ebenfalls einen entzündungshemmenden und juckreizlindernden Effekt
  • Antihistaminika helfen bei allergiebedingten atopischen Ekzemen
  • Antibiotika und Antimykotika bei bakteriellen Hautinfektionen und Pilzbefall
  • Polidocanol, Zink und Mikrosilber wirken entzündungshemmend und kühlend 

Weitere Behandlungsmethoden bei Neurodermitis

Neben der medikamentösen Neurodermitis-Therapie gibt es noch weitere gängige Verfahren, um Neurodermitis zu behandeln. 

Tipps: Neurodermitis vorbeugen

Bei ersten Anzeichen von Neurodermitis und um Neurodermitis-Schübe vorzubeugen, können Sie folgende Tipps berücksichtigen: 

  • Vermeiden Sie zu langes oder heißes Duschen 
  • Tupfen Sie die Haut mit einem Handtuch trocken, statt zu reiben 
  • Nutzen Sie spezielle Hautpflege bei Neurodermitis für Erwachsene 
  • Meiden Sie Kosmetika mit Konservierungs- oder Duftstoffen 
  • Achten Sie auf eine anti-inflammatorische Ernährung 
  • Vermeiden Sie Stress so gut es geht 
  • Nutzen Sie Baumwollhandschuhe, wenn Sie feststellen, dass Sie sich nachts kratzen 
  • Tragen Sie antimikrobielle Wäsche 
  • Lassen Sie allergische Trigger frühzeitig durch einen Allergietest ausschließen 

Sollte sich Ihre Neurodermitis bereits im Anfangsstadium befinden, sollten Sie einen Arzt konsultieren, um eine wirksame Neurodermitis-Behandlung einzuleiten. 

1 Techniker Krankenkasse: Neurodermitisreport: Prävention, Versorgung und Innovation, S. 25 (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026) 
2 Deutschen Dermatologische Gesellschaft: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem], S. 13 (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026) 
3 Kinder- und Jugendärzte im Netz (2017): Neurodermitis (Atopisches Ekzem): Neurodermitis - Symptome & Krankheitsbild (zuletzt aufgerufen am 12.08.2026) 
4 Uebel, U. Antiinflammatorische Ernährung. hautnah dermatologie 37, 14–19 (2021). https://doi.org/10.1007/s15012-021-6750-5 

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