Dekubitus

Veröffentlicht am: 28.07.2025Zuletzt aktualisiert am: 05.11.2026Geschätzte Lesedauer: 8 Minuten

Nadim Ibrahim
Wissenschaftlich geprüft von Nadim Ibrahim, Apotheker und Medical Affairs Manager bei STADA

Wunde Hautstellen durch dauerhaften Druck

Was ist Dekubitus? Unter Dekubitus versteht man wunde Hautstellen, die durch dauerhaften Druck entstehen. Dabei kann der Dekubitus-Grad unterschiedlich stark ausfallen und von Hautrötungen bis hin zu eitrigen Wunden reichen. Wenn das Gewebe infolgedessen abstirbt, spricht die Medizin von Nekrose. Besonders Bettlägerige sind von Dekubitus betroffen und daher auf spezielle Pflege angewiesen. Auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem oder Diabetes leiden häufig unter den teils schmerzhaften Druckgeschwüren. 

Ursachen von Dekubitus und Symptome
Diagnose: Dekubitus-Grad bestimmen
Dekubitus behandeln
Dekubitus-Pflege mit Multilind® Heilsalbe
Folgeschäden und Dekubitus-Prophylaxe

Kurz und knapp

  • Ursachen: Anhaltender Druck auf bestimmte Körperpartien, sodass es zur Unterversorgung des Gewebes mit Blut kommt und die Haut an der betroffenen Stelle zerstört wird 
  • Symptome: Hautrötung, Wundsein, Druckgeschwüre, Infektionen von Gewebe und Knochen, Nekrose 
  • Diagnose: Fingertest, Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren 
  • Behandlung: Druckentlastung, feuchte Wundbehandlung, Operation 
  • Prävention: Ernährungsumstellung, Aufhören zu rauchen, spezielle Dekubitus-Hilfsmittel 

Hatten Sie bereits Berühgungspunkte mit Dekubitus?

Ursachen von Dekubitus und Symptome

Die Ursache für Dekubitus ist andauernder Druck auf einzelne Körperstellen. Dekubitus zeigt sich anfänglich in einer Rötung der belasteten Hautpartien. Betroffen sind in aller Regel die Körperstellen, an denen Knochen und Gelenke von innen gegen die Haut drücken. Bei anhaltenden Durchblutungsstörungen bilden sich Wassereinlagerungen (Ödeme) oder Blasen. Bleibt eine Druckentlastung aus, lösen sich mit der Zeit die oberen Hautschichten ab. Bakterien, Pilze und Parasiten gelangen leicht in die offene Wunde und das darunterliegende Gewebe kann sich bis auf die Knochen entzünden. Zu den Symptomen von Dekubitus gehören außerdem Fieber und Schüttelfrost, die als Folge einer Infektion auftreten können.
 

Da manche Körperstellen besonders empfindlich auf Druck reagieren, tritt Dekubitus vor allem an folgenden Hautpartien auf:

  • Gesäß
  • Oberschenkel
  • Knöchel
  • Fersen

Dadurch, dass viele Patienten sich oft lange Zeit in Rückenlage befinden, treten Druckgeschwüre seltener in Seiten- oder Bauchlage auf. Gelegentlich kann es jedoch zu Dekubitus an Hinterkopf, Stirn, Kinn, Ohren, Schulterblättern, Schambereich, Knien und Zehen kommen. 

Diagnose: Dekubitus-Grad bestimmen

Dekubitus tritt als Grad 1 bis 4 auf – von der Hautrötung bis zu einer extremen Entzündung von Muskeln und Knochen mit einer dauerhaft infizierten Wunde. Für die Betroffenen ist ein Druckgeschwür mit großen Schmerzen verbunden. 

Einteilung der Dekubitus-Grade nach Shea (1975)1 

Grad

 

Dekubitus Grad 1

Auf der Haut sind Rötungen erkennbar.

Dekubitus Grad 2

Die obere Hautschicht ist defekt oder hat Blasen geworfen.

Dekubitus Grad 3

Die Schädigung des Gewebes setzt sich anschließend in die Muskulatur fort – es hat sich eine offene Fleischwunde gebildet.

Dekubitus Grad 4

Neben dem Muskelgewebe wird auch der Knochen angegriffen. Die Dekubituswunde ist sehr häufig infiziert, erkennbar an Eiter, roten Wundrändern, Schwellung und Wärme – und oft verbunden mit unangenehmem Geruch.

Dekubitus mit Fingertest erkennen

Solange die Haut noch intakt ist, aber der Verdacht auf Dekubitus besteht, wird in der Regel ein Fingertest durchgeführt. Diese Methode ist besonders effektiv, um Dekubitus frühzeitig zu erkennen. Dazu drückt der Arzt oder eine Pflegekraft einen Finger auf die bereits gerötete Hautstelle des Betroffenen. Ist an der Druckstelle für kurze Zeit ein weißer Fleck zu sehen, der sich schnell zurückbildet, liegt eher kein Anzeichen für ein Druckgeschwür vor. Bleibt die Druckstelle allerdings rot, handelt es sich zumeist um einen Dekubitus Grad 1. 

Weitere Diagnose-Verfahren

Treten bei den Patienten bereits offene Wunden auf, sind weitere Untersuchungen nötig, um das Ausmaß des Dekubitus zu bestimmen. Mithilfe einer Gewebe- oder Blutprobe kann eine Infektion nachgewiesen werden. In diesem Stadium der Erkrankung handelt es sich bereits um einen Dekubitus-Grad 2 bis 3.

Liegt ein Dekubitus-Grad 3 und damit ein fortgeschrittenes Druckgeschwür vor, kommen zusätzlich bildgebende Verfahren zum Einsatz. Um festzustellen, wie weit die Gewebeschäden bereits fortgeschritten sind und ob der Dekubitus bereits den Knochen angegriffen hat, wird der Patient geröntgt und es wird ein CT sowie ein MRT durchgeführt. 

Dekubitus behandeln

Die Dekubitus-Behandlung zielt darauf ab, die Ursachen für den Dekubitus zu beheben sowie das Druckgeschwür zu versorgen und die Abheilung zu unterstützen.

Umlagern bei Dekubitus
Druckentlastung & Umlagern

Die Druckentlastung ist der erste Schritt einer Dekubitus-Therapie. Darüber hinaus verändert das Pflegepersonal etwa alle zwei Stunden die Lage der Bettlägerigen, um neue Druckstellen zu vermeiden. 

Wundsalbe bei Dekubitus
Wundversorgung

Die Wundversorgung spielt bei Druckgeschwüren eine wichtige Rolle. Die Wunden werden regelmäßig gereinigt und mit speziellen Wundauflagen abgedeckt. Dadurch werden die Wunden feucht gehalten und vor Infektionen geschützt. 

Frau mit Tablette und Wasserglas
Wundversorgung Antibiotika

Bei einem stark fortgeschrittenen Druckgeschwür, das schlecht heilt und sich entzündet, ordnen Ärzte oft Antibiotika an. Auch eine Vakuumversiegelungstherapie kann sinnvoll sein. 

Dekubitus-Pflege mit Multilind® Heilsalbe

Die Kombination aus Nystatin & Zinkoxid lindert den Juckreiz und hemmt die Entzündung betroffener Hautstellen.

Folgeschäden und Dekubitus-Prophylaxe

Besonders beim Dekubitus-Grad 3 und 4 kann sich der Wundherd infolge einer Infektion auf benachbarte Körperteile ausbreiten. Außerdem besteht die Gefahr, dass folgende Komplikationen auftreten: 

  • Nekrose 
  • Knochenentzündung (Ostitis) 
  • Knochenmarksentzündung (Osteomyelitis) 
  • Lungenentzündung 
  • Knochenabszesse 
  • Blutvergiftung (Sepsis) 

Abgesehen von den Folgen für die Patienten, machen Versorgung und Behandlung von Dekubitus einen enormen Kostenfaktor im Gesundheitswesen aus. Deswegen gehört es zu den wichtigsten Zielen im Pflegebereich, Druckgeschwüre bei Patienten zu vermeiden. Folgende Maßnahmen spielen bei der Dekubitus-Prophylaxe eine wichtige Rolle. 

Ernährung bei Dekubitus
Ernährung beachten

Die Ernährung kann das Dekubitus-Risiko beeinflussen. Im Alter verändert sich der Stoffwechsel. Daher sollte bei Bettlägerigen besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit, Eiweiß und Vitalstoffen geachtet werden. 

Gewichtsreduzierung bei Dekubitus
Gewicht reduzieren

Mit zunehmendem Körpergewicht steigt auch die Druckbelastung auf einzelne Körperteile. Bei übergewichtigen Menschen kann eine moderate Gewichtsreduktion zu einem niedrigeren Dekubitusrisiko beitragen. 

Hautpflege bei Dekubitus
Hautpflege anpassen

Verzichten Sie bei der Hautpflege auf Duft- und Konservierungsstoffe. Greifen Sie auf hautneutrale Substanzen (pH-Wert 5,5) zurück. Trocknen Sie die Haut, insbesondere Hautfalten, sanft und gründlich mit einem weichen Handtuch ab. 

Die Medizin verwendet verschiedene Skalen zur Vorhersage eines Dekubitus-Risikos.

Norton-Skala

Bei der Norton-Skala handelt es sich um eine der Skalen zur Einteilung und Klassifizierung des Risikos, einen Dekubitus zu entwickeln. Sie orientiert sich dabei vor allem am Allgemeinzustand der Patienten. Abgefragt werden neben Alter und körperlichem Zustand beispielsweise Informationen zur Kooperationsbereitschaft, Beweglichkeit und Inkontinenz.2 

Braden-Skala

Die Braden-Skala ist eine noch spezifischere Methode zur Bestimmung des Dekubitus-Risikos. Sie setzt sich aus sechs Unterpunkten zusammen, die als Risikofaktoren für die Entwicklung eines Druckgeschwürs gelten.2

  1. Mobilität 
  2. Aktivität 
  3. Krafteinwirkung 
  4. Sensorik 
  5. Ernährung
  6. Feuchtigkeit 

Je geringer die Punktzahl ausfällt, desto höher ist die Gefahr, dass sich ein Druckgeschwür entwickelt. Auf Basis der Ergebnisse werden dann die notwendigen Pflegemaßnahmen zur Dekubitus-Prophylaxe eingeleitet. 

1 Shea JD. Pressure sores: classification and management. Clin Orthop Relat Res. 1975 Oct;(112):89-100. 

2 Bienstein, C., et al.: „Dekubitus: Die Herausforderung für Pflegende“ Vol. 1. 1997, Stuttgart, New York: Georg Thieme Verlag. 310. 

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